Eine Reise geht zu Ende

Die letzten Wochen unserer Reisezeit verbringen wir da, wo wir vor über einem Jahr gestartet haben – auf Kreta. Einen ganzen Monat sind wir in meinem anderen Zuhause. In den ersten Tagen herrscht noch hochsommerliche Hitze. Das Haus, das Land, Erde, Sand und Steine, nach einem langen griechischen Sommer ist alles so durch und durch warm, wie man es sich an einem Schweizer Oktobertag gar nicht denken kann. Dann kommen mit dem Nordwind zuerst die Abkühlung und dann mit gewaltigen Gewittern und Regen der Herbst. Die Schwalben fliegen noch weiter in den Süden, dafür kommen die Geier wieder zurück und ziehen zwischen Bergen und Wolken ihre weiten Kreise.

Ans Leben in einem Haus müssen wir uns erst wieder gewöhnen. Mehrere Zimmer, fliessendes Wasser, Küche und Bad, ein eigenes Bett, ein stabiler Tisch mit Stühlen in normaler Höhe und der viele Platz – alles Dinge, die mir nach der Zeit im Auto unglaublich komfortabel und teilweise auch etwas seltsam vorkommen.

Wir räumen das Auto aus und staunen, was sich zwischen und unter den Sitzen über die vergangenen Monate alles angesammelt hat – Steine, Muscheln, verloren geglaubte Socken, Reste von gefühlt jedem Autosnack vom Ostende der Türkei bis an die Adriaküste. In irgendeinem Winkel kommen Kinderkleider zum Vorschein, die vor einem halben Jahr noch passten, jetzt aber deutlich zu kurz geworden sind. Wir brauchen Zeit, um unsere Kisten und unsere Reiseeindrücke zu sortieren. Wir brauchen Zeit, um dieses Abenteuer langsam loszulassen.

Mehr und mehr tröpfelt in diesen letzten Wochen die Schweiz in unser Kretaleben hinein. Fragen, die unterwegs noch weit weg waren, werden plötzlich drängend. Zum Beispiel: Wo wohnen wir eigentlich, wenn wir zurück sind? Zwischen Sonnencrèmen, Baden und Jäten treffen wir Absprachen mit unseren neuen Kirchgemeinden. Zwischen Ouzo und Tsatsiki planen wir Rosas Kindergarteneintritt. Einmal mehr haben wir Glück. Nach und nach fügen sich die Puzzleteile unseres neuen Schweizer Leben ineinander.
Ein Monat Kreta – das ist so lang wie sonst unsere langen Ferien dauern. Aber dieses Mal fühlt es sich nach einem ganzen Monat Abschied an. Nach dem letzten Winter gibt es so viele Menschen, die wir jetzt im Herbst, nach unserer Reise, gerne noch einmal getroffen hätten, Orte, an die ich gern noch einmal gewandert wäre. Für vieles reicht die Zeit nicht mehr. Die Tage füllen sich ganz von allein und verfliegen wie nichts.

Das Schiffshorn hallt durch die Bucht von Souda, und wir legen ab. Noch lange, lange sind die Weissen Berge zu sehen.

4 Kommentare zu „Eine Reise geht zu Ende

  1. Danke, danke, danke für das Teilen eurer wunderbaren Familienreise! Einmalig und grossartig verfasst! Hut ab!

    „Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon. Aurelius Augustinus

    Ich wünsche euch allen eine sanfte Landung im schweizerischen Alltag.
    Ganz liebe Grüsse zum Sonntag, Elisabeth Stähli

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  2. Liebe Nadja, lieber Daniel, liebe Kinder
    Ich habe mich immer an Euern Nachrichten gefreut, (wenn ich richtig gezählt habe, waren es 68 Beiträge)! Danke vielmals fürs Mitnehmem. Für den Neustart wünsche ich alles Gute!
    Liebe Grüße Christa

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